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Kirchengemeinde Zazenhausen
Stand: 30.05.2006  

Festschrift "400 Jahre Nazariuskirche Zazenhausen (1582-1982)"

I. 400 Jahre Nazariuskirche


Herr,
ich habe lieb
die Stätte deines Hauses
und den Ort,
da deine Ehre wohnt.
Psalm 26,8


Im Innern unserer Kirche kann man auf zwei Steinen die Jahreszahlen 1581 und 1582 lesen; diese Zahlen weisen sicher auf die Erbauung der Kirche hin. Eine Christengemeinde hat es hier aber schon viel früher gegeben. Wo heute das Kirchengebäude steht, stand vorher eine Kapelle; sie wird erstmals 789 erwähnt.

Aber auch davor lebten hier schon Christen. Ob schon zur Zeit der römischen Besatzung (bis ins 5. Jahrhundert), ist fraglich; es ist sehr wohl möglich, daß einzelne römische Soldaten Christen waren. Nachzuweisen ist es allerdings nicht.

Hier anklicken! Im Lapidarium in Stuttgart kann man einen Stein anschauen - in Zazenhausen gefunden, der über die vorherrschende Religion der römischen Soldaten etwas aussagt; es ist dies ein Zeugnis eines Furchtbarkeitskultes, der im römischen Reich weit verbreitet war. Auf der Abbildung sieht man mütterliche Schutzgottheiten, die dem Landmann und dem Soldaten, dem einzelnen wie der Familie oder Ortschaft Segen spenden.

Hier anklicken!
Auf dem anderen Bild sieht man Herakles mit den Äpfeln der Hesperiden - eine Statuette von einem römischen Reisewagen. Herakles zieht durch die Welt als Held, um Ungeheuer, Riesen, Frevler unschädlich zu machen, den Menschen zu helfen und die göttliche Ordnung auf Erden zu befestigen. Als Lohn bekommt er Unsterblichkeit - weil er sich so angestrengt hat! - Irgendwelche Zeugnisse von Christen aus dieser Zeit aber hat man hier nicht gefunden. Es wäre sehr interessant zu erfahren, wie das „Christentum" nach Zazenhausen kam - über wen und welche Form es
hier hatte. Die systematische Christianisierung unserer Gegend findet dann im 7. Jahrhundert statt.

Fester Anhaltspunkt für eine Christengemeinde in Zazenhausen ist das Datum 789. Es ist die Erwähnung von Zazenhausen in einer Urkunde des Klosters Lorsch (an der Bergstraße, nördlich von Heidelberg). Das Kloster erhält Land geschenkt von einem Helmulf und seiner Gattin Bilihild und ebenfalls von einem „Muther", der am 24. Juni 789 dem Kloster Lorsch eine hube (= Hufe) - eine hube sind 30 bis 60 Morgen Land - stiftet - zum Seelenheil seines Vaters Win. Für diese Stiftung wird eine Kapelle errichtet und diese Kapelle bekommt den Namen Nazariuskapelle. Nazarius ist ein Heiliger, der im Kloster Lorsch und seinen weiträumigen Besitzungen verehrt wurde. Darüber Näheres weiter unten.

Das fränkische Kloster bot Schutz in den alemannischen Gebieten; außerdem bauten die Klöster bei Schenkungen Kapellen und Kirchen, ein Mönch oder Kaplan las die Messen, taufte, traute, beerdigte.

Eine Kapelle seit 789

Seit 789 stand hier also eine Kapelle. Ob in dieser Kapelle Gottesdienste gehalten, zu Hochzeiten gepredigt, Abendmahlsfeiern gefeiert, Kinder getauft, Tote betrauert wurden, darüber gibt es keine näheren Angaben. Pfarrer Müller meint, es seien in der Kapelle nur Hochzeitspredigten gehalten worden - sonst nichts. Zazenhausen war ja Filial von Kornwestheim. Auch Aussehen, Größe und Gestalt der alten Kapelle sind unbekannt. Pfarrer Müller vermutet, sie sei wesentlich kleiner als die heutige Kirche gewesen. Seine Berechnungen über die Anzahl der Fuhren beim Bau der Kirche (290 für die alte, 990 für die neue Kirche) ergeben, daß die Kapelle nur ungefähr ein Drittel so groß war wie die heutige Kirche. Ursprünglich vielleicht ein Bau aus Holz mit Fach- und Flechtwerk. All dies ist mit vielen Fragezeichen zu versehen. Zur Feier der Messe dürfte sie jedenfalls bei der geringen Einwohnerzahl ausgereicht haben. Auch ihr Standort ist nicht ganz sicher festzustellen; höchstwahrscheinlich aber stand sie an derselben Stelle, wo heute unsere Kirche steht. Möglich ist auch, daß sie jenseits des Bisachgrabens lag - außerhalb des Ortes. Wenn also auch vieles unsicher ist - sicher ist, daß diese Kapelle eine der ältesten ist in der weiten Umgebung.

Merkwürdig und unklar ist, was in einer Beschreibung des Ortes Kornwestheim und seiner Filialen aus dem Jahre 1787 steht:
Zazenhausen: „247 Einwohner, hat eine eigene Kirche seit unfürdenklichen Zeiten, in welcher aber lange Zeit nach der Reformation kein öffentlicher Gottesdienst gehalten, sondern die Zazenhäuser die Kirche in Kornwestheim zu besuchen gemüßigt worden, wie sie dann bis jezo noch ihre besonderen Stühle in der Mutterkirche haben." Pfarrer Müller, der sich sehr viel damit beschäftigt hat, bezweifelt, was da geschreiben steht - mehr darüber im nächsten Abschnitt.

Der Kirchbau war den Einwohnern wichtig

Warum dann 1581/82 das jetzige Kirchengebäude erstellt wurde, ist ebenfalls unklar. Ist die Kapelle zerstört worden? War sie baufällig? (Immerhin war sie damals schon 800 Jahre alt!) War sie zu klein? Viele Fragen ohne Antworten. Bekannt ist das Schreiben der geistlichen Verwaltung Cannstatt, auf ein Gesuch, einen Beitrag zum Kirchbau zu erhalten. Dieses Schreiben ist vom 29. Januar 1585. Dort steht: - „die Filial Zazenhausen hat ein eigenes Kirchlein gehabt, in der 14 Eheschließungen (pro Jahr) stattfinden, über 50 Communikanten (Abendmahlsteilnehmer), in welchem ein Pfarrer zu Kornwestheim die Hochzeitspredigten gethan; nachdem es aber gar in Abgang kam..."

Die Kapelle, das Kirchlein, ist also „in Abgang gekommen" - wie? Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Dieses eben erwähnte Schreiben ist von 1585 - damals also kann der Kirchbau noch nicht fertiggestellt gewesen sein. Wie das mit den beiden Steinen im Innern des Kirchengebäudes - 1581 und 1582 - zusammenpaßt, ist unklar.

Interessant ist, wie nun der Bau vonstatten bzw. nicht vonstatten ging. Nochmals lesen wir in dem Schreiben von 1585: „Nachdem es aber gar in Abgang kam, haben die Einwohner an Junker Hans Wolff von Stammheim, dem sie zugehörten, schon 1579 um Erbauung einer anderen Capelle suppliziert (eine Bittschrift übergeben) und angehalten, damit sie ihre Abgestorbenen allda, dieweil in Kornwestheim nit Platz begraben und die Hochzeitspredigten verrichten möchten. Und haben damalen soviel erhalten, daß das Fundament gelegt, die Mauern uffgeführt - aber seither wieder alles vergessen. Allein, daß ein wenig ungezimmert Holz noch auf dem Platz dazuliege, stand das Gemäuer - zu Spott und Schimpf der Vorbeireisenden." Also, es hat nicht ganz gereicht. Fundament und Mauern - dann war Schluß. Warum? Reichte das Geld nicht? Gab es andere Schwierigkeiten? Spott und Schimpf kam über die, die dieses Werk begonnen hatten, aber nicht vollenden konnten (Vermutung: kann es sein, daß man 1581/1582 die Mauern soweit hochgezogen hatte, daß diese beiden Aufschriften im Innern schon eingemeißelt wurden, in der sicheren Annahme, daß der Bau auch bald fertiggestellt würde? Und dann kam Unvorhergesehenes dazwischen?).

Nun soll der Junker Hans Wolff von Stammheim weiterhelfen, denn - und das ist ein schöner Satz über Zazenhausens Vorfahren - „denn dieses Völklein zu Gottes Wort und heiligen Inoramenten (?) einen sonderlichen Eifer habe und trage (wie der Spezial = der Pfarrer berichtet); wollen auch Frondienste und Handdienste willig dazutun." Dieser Kirchbau war den Einwohnern also wichtig, und sie waren bereit, sich dafür mit ihrer Arbeitskraft einzusetzen. Man wollte unbedingt eine Kirche am Ort. Dann folgen Angaben über Aussehen und Maße der neuen Kirche, Umfang der Arbeiten, Kosten, über Zimmer-, Schreiner-, Schlosser-, Glaserarbeiten. Über Tannen- und Eichenholz, 12.400 Ziegel für das Dachwerk. Angefangen vom Abbrechen und Wegräumen des alten Gemäuers (!), über Fuhr- und Handfrone bis hin zum Wasserablauf - alles aufgeführt in einem Kosten-voranschlag von 1585 in Gulden und Kreutzern. Das alles geht über viele Seiten. Es liest sich so, als würde ein Dom erstellt werden. Die Summe der gesamten Baukosten beläuft sich auf 722 fl. und 47 Kreutzer (fl. = Florin = französischer Name des Goldguldens). Bezahlt haben das nicht die Zazenhäuser Bauern und Bürger; sie leisteten unbezahlte Fuhr- und Handfrone. 700 Wagen Steine waren zur Kirche zu führen, 280 Wagen für die Friedhofmauer, dazu Abbrechen und Wegräumen des alten Gemäuers sowie Graben von Fundamenten. Material und Handwerker bezahlte das Kloster Bebenhausen, welches seit 1276 Patronatsherr hier war. Es bekam von hier den Zehnten und fühlte sich wohl deshalb zum Kirchbau verpflichtet. (Im Jahre 1579 erhielt das Kloster Bebenhausen als Zehnten: 126 Scheffel Früchte und 12 Eimer Wein.)

Neben der Kostenaufstellung gibt es dazu als Anlage eine Ansicht der Kirche von außen und eine Zeichnung vom inneren. Zu beiden Skizzen bemerkt Pfarrer Müller, der sich um Klarheit bemüht hat:

„Es ist nicht genau nach Plan gebaut worden; nur eine Tür, es waren zwei vorgesehen, in den Chor einführend; auch an den Fenstern wurde gespart. Altar, Kanzel, Stühle standen dort, wo sie vor 1958 standen. Im Entwurf fehlt ein Taufstein (getauft wurde wohl in Kornwestheim. In einer Fußnote wird vermerkt, daß im Jahre 1743 nach dem Taufbuch das erste Kind auf dem neuen Taufstein hier getauft wurde: Ursula Katharin).
Der Turm ist nur ein Dachreiter, kleiner als auf dem Bild von 1682. Die heutige Tür hat einen gotischen Spitzbogen; vielleicht ist sie aus der alten Kapelle übernommen worden. Eine Sakristei fehlt, wie oft bei Filialkirchen."

Wenn also nicht 1581/82, so doch einige Jahre später, stand in Zazenhausen eine Kirche. Spätestens 1594 wird sie wohl vollendet gewesen sein, denn 1594 war hier die erste Bestattung - und zwar die von Bastian Knitters Tochter. Aus diesem Anlaß ist hier die erste Leichenpredigt gehalten worden (im Torbogen beim Friedhofstor ist bis heute der Stein mit der Jahreszahl 1594 erhalten geblieben). So hat man sich also viel Zeit gelassen mit dem Kirchbau. Wahrscheinlich ist das Geld öfters mal ausgegangen. Dann aber stand sie: die Nazariuskirche. Und sie konnte sich sehen lassen - auch von den Ausmaßen her.

Wenn man bedenkt, daß die Einwohnerzahl damals doch sehr gering war (14 Häuser), dann war das eben nicht nur ein Kirchlein, sondern wirklich ein stattliches Gebäude (ein „Dömchen" oder „Münsterle").

Interessant ist auch die Gestalt des Kirchengebäudes. Es ist ja die Zeit nach der Reformation - und das hatte Auswirkungen auf den Baustil: unsere Nazariuskirche ist eine Predigtkirche, keine Sakramentskirche. Alles ist ausgerichtet auf die Predigt; einen Chor, den allein der Priester betreten darf, die Laien nicht, braucht man nicht mehr. Mittelpunkt des Gottesdienstes ist die Predigt. Deshalb ist die Kanzel erhöht an der Südwand angebracht (Eingangsseite, dort, wo der Sockel mit der Zahl 1581 ist), so kann man den Prediger von allen Plätzen sehen und hören. Die Sakramente spielen eine untergeordnete Rolle - deshalb kein Chor, auch der Altar ist nicht wichtig. Da es im Predigt-Gottesdienst aufs Hören ankommt, müssen Sitzgelegenheiten geschaffen werden - man kann die Menschen nicht so lange stehen lassen; der Platz zum Sitzen reicht im Schiff nicht aus - deshalb werden Emporen gebaut (die Seitenempore im Norden wird erst 1957 entfernt, dafür die hintere Empore erweitert). Sicherlich standen auch die Bänke ehemals anders - nämlich ausgerichtet auf Kanzel und Prediger (auf der Skizze von Pfarrer Müller ist das allerdings nicht so dargestellt).

Bild von 1681

Dies ist das älteste Bild von Zazenhausen - der Maler, ein Herr Kiser, - steht im Ruf, recht zuverlässig gemalt zu haben! Nachdem durch den 30jährigen Krieg viele Urkunden vernichtet worden waren, stellte er den Bestand an Wald und Feldern fest und fertigte dazu von jedem Ort ein Bild an. Wie man auf der Zeichnung sieht, stand die Kirche frei. Das Schulgebäude wurde erst 300 Jahre später angebaut - leider. (Es hat vorher schon ein Schulhaus gegeben - 1707 wird es erwähnt - wo es stand, ist unbekannt.)

Natürlich hat das neuerstellte Kirchengebäude den Namen des Vorgängers übernommen und heißt bis heute Nazariuskirche. Über das weitere Schicksal dieser Kirche möchte ich noch ein paar Notizen machen.

Kirchengemeinde und Kirchengebäude gehören ja eng zusammen. Jede christliche Gemeinde wird sich ein Gebäude schaffen, in dem sie sich wohlfühlt. Deswegen wird solch ein Gebäude im Laufe der Jahrhunderte auch immer wieder anders aussehen.

An der jetzigen Empore sind vier Jahreszahlen eingelassen:

1743 - 1867 - 1903 -1958

Zu diesen Zahlen lassen sich - unter gewissen Mühen - in alten Protokollen Zeugnisse finden, die aussagen, was zu diesen angegebenen Zeiten verändert wurde. Es handelt sich dabei jeweils um große oder kleine Renovierungen.

Schaden: 200 Gulden

Bevor es zur ersten Renovierung kam, wurde 1697 das „Kirchenornat" geplündert: „ein silberner, übergoldeter Kelch, ein messingenes Taufbecken, eine Glocke von vieren und was an der Uhr ruiniert worden ist - 200 Gulden Schaden."

1707 waren die Franzosen zweimal hier und in Cannstatt und haben in der Kirche die Kanzel und Stühle zerschlagen und die Uhr mit den Glockenseilen mitgenommen.

1796 soll die Kirche als Pferdestall benutzt worden sein (Ehrfurcht nach der französischen Revolution war rar)! 1743 ging man dann die erste uns bekannte Renovierung an: Erweiterung der Emporkirche und Restauration des Plafonds in einer dem Kirchenstil sehr entgegenstehenden Weise (so schreibt ein Pfarrer einige Zeit später). Ebenso war die Stuhlung in hohem Grade ausgesessen, sehr unbequem und mangelhaft - so heißt es in einem alten Pfarrbericht. Aus dieser Zeit - 1743 - stammt der bis heute erhaltene Taufstein; er ist gestiftet von dem hiesigen Bürger Schmeißner; er hat ihn selbst in seinem Steinbruch gebrochen.

Ungefähr 90 Jahre später - 1835 - wird eine Glocke aufgehängt (heute nicht mehr da). Oder auch deren zwei, wie das 1868 vorausgesetzt ist. Von 1743 an vergehen 124 Jahre, bis wieder etwas für das Innere der Kirche getan wird -1867. Dieses Jahr ist auch in anderem Sinn für Zazenhausen bedeutsam: 1867 wird es selbständige Pfarrei, es hat sich von Kornwestheim abgenabelt und steht nun auf eigenen Füßen (darüber mehr im nächsten Abschnitt).

Zurück zum Kirchengebäude: im Pfarrbericht von 1868 findet man folgende Angaben: Die Stuhlung wurde neu hergestellt, ebenso die Holzdecke; auch wurde auf der Südseite ein Fenster ausgebrochen und zum ersten Mal eine Uhr am Turm (siehe aber oben) angebracht. Kosten 1200 Gulden - freiwillige Beiträge 1000 Gulden. 1875 wird eine Orgel mit fünf Registern - die heutige hat zwölf - aufgestellt. 1882 schlug der Blitz in die Kirche ein und der Turm brannte ab - er wurde damals nicht wieder in der ursprünglichen Höhe aufgebaut; erst 1957/58 ist er um sieben Meter aufgestockt worden. In den wiedererstellten Dachreiter kommt im selben Jahr - 1882 - eine zweite Glocke; sie hängt heute noch im Turm und tut ihren Dienst; sie stammt aus dem Jahr 1823 und wurde für die Haslacher Kirche gegossen - von dort hat man sie 1882 hierhergeholt.

1903 - 36 Jahre nach der letzten Renovierung - fand schon wieder eine „durchgreifende Renovation des Inneren" statt: sämtliche Wände wurden frisch gegipst, zum Kirchenboden ein Zugang mit Treppe geschaffen (bis dahin hatte ein durch das Schulhaus gehender, jetzt zugemauerter Zugang geführt), auf der Nordseite ein Spitzbogenfenster ausgebrochen, die Decke bemalt, sämtliche Fenster (bis auf ein kleines) neu bunt verglast, zum Teil mit bunt bemalten Gläsern, sämtliche Wände und Holzwerk angestrichen bzw. bemalt, der mangelhafte Plattenfußboden in den Gängen und um den Altar durch Terrazzoboden ersetzt, ein neues Kamin in der Nordwand erstellt und ein Wasseralfinger Kirchenofen. Alles mit einem Aufwand von 5800 Mark. Feste Sitzplätze nun 195 - ein Kirchenstuhlrecht gibt es nicht.

Die Umgebung der Kirche läßt noch zu wünschen übrig: auf der westlichen Seite wurde 1828 das Schulhaus angebaut, offenbar um eine Mauer zu sparen; an der nördlichen Seite ist die Nähe des Schulabtritts und des Schafstalls nicht gerade erhebend, der übrige Grund und Boden ist in Privatbesitz; östlich und südlich befindet sich der Kirchhof.

Die letzte Renovierung war 1957/58. Vorher wurde noch eine neue Glocke aufgezogen. Sie trägt auf der einen Seite ein etwas ungewohnt aussehendes Wappen von Zazenhausen - auf der anderen Seite ist ein Kruzifix, darunter steht rings um die Glocke herum: „verleih uns Frieden gnädiglich" (also eine „Friedensglocke"). Herr Albert Sigloch holte sie bei der Firma Kurtz ab, die Gemeinde hatte inzwischen 2000,- DM gesammelt; bei einem Bronzepreis von DM 6,50 pro Kilo kostete die Glocke dann mit Montage DM 2170,-. Manche wollten auch gleich eine dritte Glocke - aber das war dann doch zuviel - nicht nur für den Turm.

Wer 1958 dann die Kirche betrat, für den war vieles neu: neu war der Altar - nach hinten versetzt und aus Steinen von Wenningers Steinbruch; neu war die Kanzel, hergestellt von Schreiner G. Kull - ebenfalls versetzt: nun gegenüber der bisherigen Kanzel; neu war das Gestühl aus edlem Holz; die Seitenempore mußte ganz weichen, dafür wurde die Hauptempore nach vorn vergrößert. Neu war auch die Eingangstüre und die Beleuchtung, dazu die elektrische Heizung an den Fußbänken. Erneuert und versetzt wurde der Taufstein, die Decke, das große Kruzifix; das kleine Kruzifix aus dem 16. Jahrhundert holte man von der Bühne, richtete es und hängte es ebenfalls auf.

Auch das Äußere der Kirche wurde erneuert, der Turm bekam eine Schieferverkleidung (nicht rostend!) und wurde um sieben Meter erhöht. Turmuhr und Turmhahn waren ebenfalls neu. Kosten DM 54.000,- , davon DM 30.000,- von der Gemeinde gestiftet. (Zwei Jahre später kam noch eine neue Orgel dazu mit zwölf Registern - dank einer großzügigen Spende eines Zazenhäusers.) In der Zeitung erschien damals ein Artikel mit der Überschrift: „Ein Freudentag für Zazenhausen." Es gab viel Lob für dieses helle, freundliche, heimelige Kirchlein, in dem man sich ganz schnell wohlfühlen kann.

Immer wieder kommen Einwohner von Zuffenhausen, Rot, Freiberg, Mönchfeld hierher zum Gottesdienst, weil das eben noch eine „richtige Kirche" sei. Auch die Prediger und Organisten von auswärts kommen gern hierher - in dieser Kirche ist man sich nah.

Nun haben wir Heutigen ebenfalls ein paar Veränderungen vorgenommen: die Turmuhr trägt neue Zifferblätter, der Turm neue Schalläden, das kleine Kruzifix steht nun über dem Altar, ein paar neue grüne Paramente haben wir angeschafft, auch Deckenleuchten für den Altarraum, dazu Sitzkissen; innen und außen ist die Kirche gestrichen worden.

So hat unsere Nazariuskirche schon viele Stationen hinter sich gebracht - 400 Jahre hindurch. Immer wieder verändert - das zeigt doch, daß den hier wohnenden Menschen ihre Kirche wichtig war. Es soll so bleiben, daß Menschen bekennen: „Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses" - und daß sie aus dieser Liebe heraus weiter an ihr gestalten, damit darin weiterhin das Zeugnis von Gottes großer Liebe zu seinen Geschöpfen ergeht.


Beschädigtes Bild von 1948

Innenraum der Nazariuskirche 1982


Aus: "400 Jahre Nazariuskirche Zazenhausen (1582-1982)" - Festschrift (letztes Exemplar aus dem Pfarramt)
Herausgegeben von der Evangelischen Kirchengemeinde Zazenhausen 1982
Verantwortlich für den Inhalt: Pfarrer V. Trosse

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